Weilerswist-Müggenhausen - Etwa 80 Stundenkilometer zeigt der Tachometer an, als sich das Ultraleicht-Flugzeug
nach einem Sprint über die 300 Meter lange Startbahn in die Luft erhebt.
Dann weitet sich der Blick: auf Müggenhausen, auf Vernich, auf Weilerswist und auf Lommersum. Die Silhouette der Kreisstadt Euskirchen
lässt sich schon erahnen, als sich der Flieger langsam auf eine Höhe von etwa 200 Metern schraubt. Wobei "langsam" eher ein relativer
Begriff ist: Die Fluggeschwindigkeit beträgt jetzt immerhin schon 150 Stundenkilometer.
Dass man das Tempo überhaupt nicht spürt, hängt mit der eigenen Wahrnehmung zusammen, wie Pilot Werner Karg erläutert:
"Wenn man mit 150 Stundenkilometern direkt an einem Baum vorbeifährt, nimmt man die Geschwindigkeit ganz anders wahr als in der Höhe,
mit großem Abstand zu den Objekten."
Sicherheitsbedenken des "Stadt-Anzeiger"-Reporters, der doch mit einem leicht unbehaglichen Gefühl
auf dem Sozius Platz nahm, hatte der 54-Jährige schon im Vorfeld zerstreut: Alle Ultraleicht-Flieger, so Werner Karg, sind
vorschriftsmäßig mit einem Fallschirm ausgerüstet, den man im Notfall binnen einer Sekunde mit einer Raketenzündung
aktivieren kann. Das ganze Flugzeug baumelt dann samt Insassen am Fallschirm. Kontrolliert landen kann man dann zwar nicht mehr. Aber immerhin:
In der Regel überlebt man, wie Werner Karg versichert.
Der Flamersheimer ist Vorsitzender der Ultraleicht-Fluggruppe Nordeifel,
die ihren Flugplatz in Müggenhausen betreibt. Dort hat jetzt die Sommersaison begonnen. Obwohl es eine "Wintersperre" im eigentlichen Sinne
nicht gibt, heben sich die motorisierten Flieger doch vermehrt in der warmen Jahreszeit in die Luft. Immerhin bringen es die Ultraleicht-Maschinen
auf bis zu 3500 Meter Flughöhe. Und so weit oben kann es im Winter ganz schön kalt werden.
70 Mitglieder hat die Fluggruppe derzeit, 60 davon sind aktive Piloten. Die Hobbyflieger kommen aus dem näheren Umkreis,
aber auch aus Wuppertal, Remscheid und Köln. Die Maschinen, die sie fliegen, decken eine große Bandbreite ab.
In die Kategorie "Ultraleicht" fallen alle Flugzeuge, die weniger als 472,5 Kilogramm wiegen. "Das reicht vom Gleitschirm mit Motor auf dem
Rücken bis hin zum größeren Flieger mit Pilotenkabine", erklärt Werner Karg.
Zweifellos in letztere Kategorie fällt die "Fascination", mit der Siegbert Schell unterwegs ist. "Das ist einer der schnellsten
Ultraleicht-Flieger überhaupt", erläutert Werner Karg. Die Maschine bringt es in der Spitze auf 300 Stundenkilometer. Was Alica,
die vierjährige Tochter des Piloten, nicht davon abhält, auf dem Co-Piloten-Sitz Platz zu nehmen. Angst hat das kleine Mädchen nicht,
schließlich ist es schon mehrmals mitgeflogen. Auch das, der "Stadt-Anzeiger"-Reporter muss es einräumen, trägt ein bisschen zur
Ermutigung bei.
Ein ganz anderes Fluggefühl als in der imposanten "Fascination" hat man in dem Trike, das auf dem Flugplatz
noch auf seinen Einsatz wartet. Dabei handelt es sich um einen offenen Doppelsitzer mit Gleitschirm, die Sitzpositionen für den Piloten
und seinen Begleiter sind ähnlich wie bei Trike-Motorrädern. Eine Kabine sucht man vergebens: Wer mit dem Trike fliegt, kommt
wirklich in den Genuss von jeder Menge Frischluft.
Unterschiede zwischen den Ultraleicht-Fliegern gibt es nicht nur in der Bauart, sondern auch im Preis. "Auf dem Gebrauchtmarkt sind Flugzeuge
für 10 000 Euro erhältlich", erklärt Werner Karg. Nach oben hin gibt es keine Grenzen - 70 000 bis 80 000 Euro ist ein Preis,
der durchaus üblich ist. Hinzu kommen 3000 bis 4000 Euro für den Flugschein. "Wir haben hier eine eigene Schule, in der man die
Flugerlaubnis erwerben kann", erläutert der Vereinsvorsitzende.
Dann kommt es zu einem "historischen Moment", wie Werner Karg es formuliert. Adi Schell und Peter Wagner fahren vor, im Gepäck haben
sie ihre "Renegade II";. Sieben Jahre lang haben die beiden an dem klassischen Doppeldecker mit Aluminium-Rumpf gearbeitet. "Ironischerweise
handelte es sich um einen Schnellbausatz", meint Adi Schell. Jetzt können die Vereinskollegen die Maschine zum ersten Mal begutachten.
Es fehlt nur der allerletzte Schliff, noch in diesem Jahr soll die Renegade II fliegen. 15 000 Nieten halten das Flugzeug zusammen, das mit
einem 100 PS starken Vier-Zylinder-Motor angetrieben wird. Die technische Ausstattung im Cockpit ist vergleichbar mit anderen Ultraleicht-Fliegern:
Ein Kompass, ein Höhenmesser, ein G-Messer und ein Gerät, das anzeigt, ob die Maschine steigt oder fällt, sorgen für
Orientierung. Motorinstrumente zeigen die Drehzahl, die Öltemperatur, die Wassertemperatur und den Öldruck an. Funk und GPS kommen hinzu.
Ein Kraftstoffcomputer zeigt die Restkapazität des Tankes und die Reichweite an. Apropos: Die meisten Ultraleicht-Flieger tanken
herkömmliches Super-Benzin. Einige Zweitakter benötigen ein Benzin-Öl-Gemisch. "Diese Flugzeuge sind aber mittlerweile in der
Unterzahl", meint Werner Karg, der in diesem Jahr noch einiges vorhat. Unter anderem planen die Hobbyflieger aus Müggenhausen
eine große Tour nach Flensburg, hinzu kommt ein "Insel-Hopping" an der deutschen Nordseeküste.
Außerdem wollen die Flieger demnächst mit der Feuerwehr kooperieren und eine Brandwache einrichten - etwa, wenn im Sommer
Waldbrandgefahr besteht. |
 |
|