Mit der Donau zum Schwarzen Meer

vom 27. Mai bis 9. Juni 2016

Nach unserer gelungenen Tour im vergangenen Jahr rund um die Ostsee waren wir uns schnell einig: Auch 2016 wollen wir wieder gemeinsam „ausfliegen“.

An Ideen für Routen in alle Himmelsrichtungen mangelte es nicht. Schon bald stand fest, es sollte noch einmal Richtung Osten gehen. Diesmal grob der Donau folgend bis zur Mündung im Delta ins Schwarze Meer. Die Terminfindung gestaltete sich etwas schwieriger. Schließlich sind drei von vier Piloten Pensionäre, die bekanntlich immer viel zu viele Verpflichtungen haben.

Nichts Neues war und ist, dass alle Planungen nur „vorläufig“ sein konnten, weil das Wetter der alles bestimmende, aber unvorhersehbare Faktor ist.

So war es auch diesmal. Beim Abflug aus Weilerswist hatten Rainer und Werner das Unwetter, das danach Deutschland mehr als eine Woche beherrschte, schon in Sichtweite – und auch Jan und Ingo, der dieses Jahr zum ersten Mal dabei war, kamen am nächsten Tag nur schwer aus Magdeburg (EDBM) los, mussten in Jena (EDBJ) schon das erste Mal runter und auf die Gott-sei-Dank eintretende Wetterbesserung warten.
Unser Teammitglied Lutz hatte es am schlimmsten getroffen: er war vorher noch mit einer anderen Gruppe in England unterwegs und kam wetterbedingt nicht mehr rechtzeitig zum Abflug über den Ärmelkanal zurück.

Als Treffpunkt für den gemeinsamen Tourstart am 29. Mai hatten wir Fertöszentmiklos (LHFM) in Ungarn nahe des Neusiedlersees ausgewählt.

Rainer und Werner haben den Anflug in zwei Teilstrecken geteilt und sich dafür schon am 27. Mai auf den Weg gemacht. Nach dem Start in Weilerswist hatten sie die Schlechtwetterfront immer rund 100 km hinter oder neben sich, Langen-Info war in diesen Tagen mehr als sonst mit Wetterberichten beschäftigt. Nach einem sehr ruhigen und sehr schönen Flug über den Rhein, den Main und die Altmühl erreichten sie das Donautal bei Kelheim. Hier grüßte die Befreiungshalle und ein Stück weiter flussabwärts die Walhalla bei Regensburg.

Vilshofen (EDMV), der erste angeflogene Flugplatz kann uneingeschränkt empfohlen werden. Das gilt nicht nur für die spektakuläre Lage direkt am Donau-Ufer. Im Flugplatzrestaurant gab es bayerische Spezialitäten, wie sie auch in der sehenswerten Altstadt (nur ein paar Gehminuten entfernt) nicht besser hätten sein können.

Zur Begrüßung kam der Flugleiter mit dem Fahrrad zum Abstellplatz, MoGas am Platz und eine liebenswerte, rüstige 90jährige Pensionswirtin rundeten den sehr positiven Gesamteindruck ab. Weil sich Aussagen zum Speiseeis wie ein roter Faden durch unseren letzten Reisebericht gezogen haben, soll nicht unerwähnt bleiben, dass es in Vilshofen sehr gute und gut angenommene Eisdielen gibt. Leider war das im weiteren Verlauf nur noch sehr selten der Fall.

Am 28. Mai ging es für Rainer und Werner weiter zum Treffpunkt. Zunächst der Donau folgend über Passau zum Stift Melk, westlich um Wien und Wiener Neustadt herum nach Fertöszentmiklos (LHFM).

Nach der Landung auf der 1000m langen, völlig hindernisfreien Landebahn, die auch direkt angeflogen werden kann, begann das Warten, Hoffen und Bangen.

Jan und Ingo berichteten per Whatsapp von ihrem Start und ihrer Sicherheitslandung in Jena (EDBJ). Nach dem Wiederstart mussten sie sich bei sehr niedrigen Wolken über den Thüringer und den Bayerischen Wald bis zum Tankstopp in Stockerau (LOAU) regelrecht „durchkämpfen“.

Rund um Wien kamen die beiden endlich auch in besseres Wetter und landeten nachmittags am Treffpunkt.

In Fertöszentmiklos war die Unterstützung einmal mehr riesig. Am Platz sind mehrere deutsche Piloten, die das entspannte Fliegen in Ungarn genießen. Dazu gehört auch Pierre Gasser, ein Künstler, der uns nicht ohne Stolz eine erreichte Goldene Schallplatte zeigte und nicht weniger stolz die umfangreiche, elektronische Ausstattung seiner Dynamic vorführte.

Eine Unterkunft im nahe liegenden Ort war schnell gefunden, offen war lediglich die Transportfrage. Die Lösung war so einfach wie nahezu unglaublich. War es schon nicht alltäglich, dass wir das „Flugplatz“-Fahrzeug für die Fahrt zur nächsten Tankstelle benutzen konnten, drückte Robert Tòth, der Flugplatz-Chef Werner den Schlüssel für seinen Mercedes in die Hand und wünschte uns „Gute Fahrt“ bis zum Wiedersehen am nächsten Morgen.

Im Ort angekommen, haben wir zunächst das sehenswerte Schloss des Fürsten Esterhazy, Teil des Weltkulturerbes, besichtigt und später den Tag bei einem Fischessen unter freiem Himmel ausklingen lassen.

Ein weiterer Höhepunkt war ein Treffen ganz besonderer Art. Wir glaubten unseren Augen kaum, als Bekir Aslan, der in Weilerswist das Tragschrauberfliegen gelernt hatte, aus einem eben gelandeten Tragschrauber ausstieg. Schon vor zwei Jahren hatten wir Bekir völlig überraschend und ungeplant in Balatonkeresztür (LHBK) getroffen – und nun stand er nach seinem ersten (!) Flug nach so langer Zeit wieder vor uns.
Leider war das Wiedersehen nur sehr kurz; heraufziehende Gewitter zwangen ihn zum vorzeitigen Aufbruch. Der ging wegen Problemen mit der Vorrotation nicht ganz reibungslos von statten und auch der Flug hatte seine Tücken; Bekir musste kurz vor dem Ziel noch einmal zum Tanken landen.

Am 29. Mai flogen wir – das sind Jan (D-MSWS), Ingo (D-MDFF), Werner und Rainer (D-MKCT) – gemeinsam und in Formation weiter nach Serbien. Aber nicht direkt. Den politischen Verhältnissen in Europa geschuldet, muss vor dem Grenzübertritt ein Zollflugplatz angeflogen werden. Dieses Verfahren hat uns auf der weiteren Reise mit unterschiedlichen Gebühren und Umwegen begleitet.

Für den Ausflug aus Ungarn hatten wir uns den an der Strecke liegenden Flugplatz Pecs-Pogany (LHPP) ausgesucht. Wichtig dabei: Die Zollabwicklung muss drei Werktage im Voraus angemeldet werden, weil das dafür erforderliche Fachpersonal nicht an allen Zollflughäfen ständig vor Ort ist.

Die Strecke führte uns bei Szigliget über den Plattensee, vorbei an Balatonkeresztür (LHBK). Nach einer Riesenplatzrunde und einer unerwarteten Rückenwindlandung war die Abwicklung in Pecs-Pogany insgesamt unkompliziert. Das lag unter anderem wohl auch daran, dass während unseres Aufenthaltes kein weiterer Flugbetrieb war.

Für die Landung, das Handling und den Zoll vor dem Weiterflug nach Serbien wurden knapp 50 Euro pro Maschine fällig. Die freundliche Supervisorin Maria tröstete uns mit dem Hinweis, dass die Gebühren beim Wiedereinflug aus Rumänien deutlich geringer ausfallen würden. Doch dazu später mehr…

Die ganze Strecke nach Belgrad führte weiter der Donau entlang über flaches Land, über Novi Sad mit der Festung Petrovaradin und vorbei an Batajnica (LYBT). Der Funkverkehr mit dem Fluginformationsdienst verlief reibungslos. Weil wir immer wieder nach der augenblicklichen Position und den geschätzten Überflugzeiten von Wegpunkten oder zum Ziel gefragt wurden, hatten wir das Gefühl, dass es keine RADAR-Führung gab. Besonders wichtig schien dem Fluginformationsdienst, dass wir dem Stadtzentrum nicht zu nahe kommen.

Der Anflug zum Flugplatz Nikola Tesla (LYBE) führte über den Pflichtmeldepunkt BRAVO (mit schöner Aussicht auf die Stadt) und anschließend über PAPA. PAPA liegt sehr, sehr nahe an der Piste, so dass wir nach der Positionsmeldung schon in den Endteil eindrehen konnten.

Der Anflug bot ein besonderes Bild: Am Rollhalt standen gleich zwei abflugbereite Linienflugzeuge, die unsere Landung abwarten mussten.

Nach der Landung wurde jeder Maschine ein eigenes Follow-Me-Fahrzeug zugewiesen, das uns zu den Abstellplätzen leitete. Nach dem Aussteigen kam die erste, dicke und unverständliche Überraschung. Uns wurde schnell und deutlich klar gemacht, dass es auf dem riesengroßen Platz weder im Apron-Bereich noch irgendwo zwischen den Hallen, bei ausgestellten Oldtimern oder auf den zahlreichen Grünflächen eine Möglichkeit gab, unsere Flugzeuge abzustellen.

Das bedeutete erstmal zur Kasse gehen; schließlich mussten ja Landung, Handling und Zoll für den Einflug aus Ungarn bezahlt werden, diesmal 26 Euro pro Maschine.

Für den Weiterflug hatte sich der Supervisor um einen Ausweichflugplatz bemüht und herausgefunden, dass uns die Fliegerfreunde am nur sechs Kilometer entfernten Flugplatz Zemun Polje „13. Mai“ aufnehmen wollten.

Dass dieser Flugplatz eigentlich unser Wunschflugplatz war und wir schon lange vor der Tour mit Bosko Todorovic, dem dortigen Leiter in Verbindung standen, konnte der Supervisor ja nicht wissen. Allerdings hatten wir eine Landung dort schon verworfen. Schließlich wollten wir ja nicht zweimal die Gebühren am nahen Hauptstadtflugplatz zahlen; mussten aber nun doch in den sauren Apfel beißen.

Um es vorwegzunehmen; der Ausflug zu Bosko und dem Fliegerclub von Zemun Polje hat sich mehr als gelohnt. Uns wurde ein Riesenempfang bereitet; Mitglieder und deren Familien standen am Rollweg Spalier und fotografierten unsere Ankunft (wenige Minuten später waren die Bilder schon auf deren Internetseite: www.letenje.rs).

Nachdem unsere Flugzeuge frisch geputzt waren (außergewöhnlich: die Gastgeber legten selbst mit Hand an) und ein erster, leider nicht nachhaltiger Versuch, Ingos Zündkerze zu reparieren, abgeschlossen war, bekamen wir zunächst ein „Landebier“ auf der Flugplatz-Terrasse. Anschließend wurden wir zum eigens für uns gekochten Festessen („Svadbarski Kupus“, deutsch: Hochzeitskohl) eingeladen.

Vor dem Essen bekamen Jan und Ingo noch einen Schnupperflug mit einem Trike und haben die von außen sehr sportlich aussehenden Flugmanöver gut überstanden.

Zu später Stunde wurden wir zum 15 km entfernten Hotel in die Stadt gebracht und auch am nächsten Morgen wieder abgeholt. Wir fühlten uns bei Bosko und allen Mitgliedern in Zemun Polje so gut aufgehoben wie in einer Familie.

Den 30. Mai verbrachten wir in Belgrad. Wir erkundeten die Stadt mit dem Touristenbus und zu Fuß. Eine große und schöne Fußgängerzone führte zur Festung, von der man einen guten Blick über die Stadt, auf die Save und natürlich auf die Donau hat. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist der Dom des Heiligen Sava, die zweitgrößte Kirche Südosteuropas und eines der größten Gotteshäuser der Welt, gebaut für maximal 12.000 Menschen.
War der Dom schon von außen sehr beeindruckend, erwartete uns im Inneren eine echte Überraschung: Dort stand in der Mitte ein großer Baukran, mit dem Arbeiten an der Kuppel (Scheitelhöhe 68m, höher als die Hagia Sophia in Istanbul) ausgeführt wurden. Gleichzeitig war ein Teil des Doms zugänglich für die Gläubigen, die dort ihre Gebete sprechen konnten.

Danach sind wir in der Mittagshitze durch halb Belgrad gelaufen, um das allseits empfohlene Nikola-Tesla-Museum zu besichtigen. Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass es – wie fast alle Museen der Stadt – an Montagen Ruhetag hat. Eine vorherige Frage an Herrn Google hätte uns wohl ein paar Schweißtropfen erspart.

Am Abend wollten wir einer Empfehlung folgend in einem der Hausboot-Restaurants auf der Save essen; der Taxifahrer wusste angeblich Bescheid, setzte uns aber auf dem gegenüberliegenden Ufer auf der Touristenmeile ab. Eine Empfehlung und eine Taxifahrt weiter kamen wir doch noch zum Fischessen auf der Save.

Nun lag nur noch der Weg zum Hotel vor uns und das nächste Taxifahrer-Erlebnis. Der Fahrer kannte den Weg zum „Hotel Admiral“. Wir freuten uns darüber und waren nicht schlecht erstaunt, als er zielstrebig in die Stadtmitte fuhr. Es dauerte sehr lange, bis er sich überzeugen ließ, dass es auch im Ortsteil Zemun ein Hotel Admiral gibt und glaubte es erst, als er widerwillig nach unserer Anleitung fahrend, vor dem Eingang angekommen war.

Am 31. Mai sollte die Reise weiter gehen, der Donau entlang nach Drobeta Turnu Severin, einem kleinen Platz in Rumänien, etwa 200 km Luftlinie entfernt.

Vor dem Ausflug nach Rumänien mussten wir wieder einen Zollflugplatz anfliegen, den uns bekannten Hauptstadtflugplatz Nikola Tesla (LYBE). Für den Flug von Zemun Polje zur erneuten Landung sollten rund fünf Minuten ausreichen. Mit Komplikationen war nicht zu rechnen, schließlich übernahm der Tower Belgrad unsere Führung ab dem Rollhalt in Zemun Polje.
Nach dem Start der Formation und immerhin zwei Minuten Flug kam die Anweisung Warteschleifen zu fliegen, bis andere Flugzeuge gestartet und gelandet sind. Nach einigen Kreisen und einer gefühlten „Ewigkeit“ (aus fünf Minuten wurden zweiundzwanzig) bekamen wir endlich die Freigabe zur Landung.

Das Prozedere kannten wir schon: drei Follow-Me zum Abstellplatz, den Weg zur Kasse (zum zweiten Mal 26 Euro pro Maschine), den Ausgang aus dem Bereich für ankommende Flugzeuge und durch die Schleusen und Kontrollen im Abflugbereich zurück zu den Flugzeugen.

Beim Magnetcheck kurz vor dem Aufrollen gab es Probleme bei Ingo, es war wieder die Zündkerze und deren Stecker. Nach einer weiteren provisorischen Reparatur und einer Flugplanänderung konnten wir dann mit einiger Verspätung starten.

Es gibt aber auch Positives vom Flugplatz Nikola Tesla zu berichten: Dort war eine Erste-Hilfe-Station, in der Rainers schmerzhafte Blutblase am Fuß nach der Ankunft und vor dem Abflug nochmal behandelt wurde.

Zielflugplatz für diesen Abschnitt war leider nicht das nahe Drobeta Turnu Severin, sondern Timisoara (LRTR), der nächstgelegene Zollflugplatz in Rumänien, ca. 130 km weiter nordwestlich gelegen.

Nach dem Start führte unser Weg über PAPA, BRAVO und PA459, also ziemlich genau den Weg über die Donau, den wir schon beim Anflug nutzen wollten. Nach dem Überfliegen der Grenze sollten wir erwartungsgemäß Verbindung mit FIS Bukarest aufnehmen und FIS Belgrad über die Verbindung informieren.
Nach vielen Fehlversuchen und einigen geflogenen Kilometern haben wir uns wieder bei Belgrad gemeldet und sollten zunächst zur Grenze zurück fliegen. Ein paar Minuten später kam dann die Erlaubnis, bis auf weiteres am aktuellen Ort zu kreisen und schließlich die Aufforderung, statt mit FIS Bukarest direkt mit Tower Timisoara zu sprechen.
Das klappte auf Anhieb und wir konnten den Flug fortsetzen. Tower Timisoara hielt auch eine kleine Überraschung für uns bereit: wir durften uns die Piste aussuchen.

Der Flug an sich verlief bei bestem Wetter ohne Besonderheiten. Auf der Strecke fiel uns auf, dass in dieser Gegend fast alle Dörfer strikt quadratisch angelegt sind.

In Timisoara hatten wir auch – wie zuvor in Belgrad – drei Einweiser, für jede Maschine einen. Allerdings kamen die Einweiser diesmal zu Fuß anstatt mit dem Follow-Me. Zu den geparkten Maschinen kamen zunächst zwei Damen zu uns, die ein Lärmzeugnis sehen wollten.

Bei der Passkontrolle wurden wir dann von drei Damen und vier Herren „betreut“, einem wahrlich großen Aufgebot. Nach der obligatorischen Bürokratie, dem Aufgeben eines neuen Flugplanes und dem Gang zur Kasse (diesmal nur rund 20 Euro pro Maschine) ging es zurück über „Departure“ zu den Flugzeugen. Wir und unsere Betreuer mussten einmal mehr durch die Schleusen. Stichprobenartig oder bei verdächtig aussehenden Personen wurden sehr genaue Leibesvisitationen durchgeführt. Jan fühlte sich dabei nicht besonders wohl.

Im Flugvorbereitungsraum half uns eine sehr freundliche Dame beim Flugplan und beim Abfragen der Wetterbedingung weiter. Dazu gehörte auch der Hinweis auf die in Rumänien abweichende Zeitzone. Trotzdem ist uns gerade da ein Fehler unterlaufen.

Als wir vor dem Abheben die üblichen Checks mit laufenden Motoren machen wollten, informierte uns die Bodenkontrolle, dass wir unsere Abblockzeit erst in 55 Minuten erreichen. Nach kurzer Diskussion und einer Änderungsmeldung konnten wir nach „nur“ 30 Minuten Verzögerung starten.

Der Flug führte zunächst über weite Ebenen und kurz vor dem Ziel über sehenswerte Ausläufer der Karpaten. Der Rasenplatz Drobeta Turnu Severin war entgegen anderer Informationen gut zu finden, vier große Antennen in der Nähe können als Orientierungshilfe dienen.

Endy Molnar, der Platzbetreiber, war vor Ort und hat die Begrenzung der etwa 15 Meter breiten Piste mit „yellow“ beschrieben, dabei handelte es sich einfach um frisch gemähtes Heu. Der Rollweg war nicht ganz so breit, so dass Jan mit seinem Tiefdecker vor dem Abrollen den Pitotrohrschutz überziehen musste.

Am Platz hatte Endy die Halle für uns frei gemacht und seine Traktoren im Freien geparkt. Zusätzliche Sicherheit boten Menschen, die direkt am Platz wohnten und auf alles aufpassten. Endy betreute uns ununterbrochen von der Landung bis zum Wiederstart.
Er übernahm selbst den Transport von und zum Platz, zur Tankstelle und zur Unterkunft.
Noch am Platz nahm er die Bestellung für das Abendessen auf. Praktischerweise haben wir das in seinem Hotel eingenommen, in dem wir auch gewohnt haben. Nach dem Abendessen hatte er eine weitere, positive Überraschung für uns. Wir fuhren mit ihm bis zum Decebal-Denkmal. Es zeigt den letzten Dakerkönig (85 – 106 nach Christus) und ist mit 40 Metern die höchste Felsskulptur in Europa.
Für die anstehende Bootsfahrt durch den Donaudurchbruch hatten wir eigentlich ein typisches Touristenschiff mit Kaffee und Kuchen erwartet. So etwas war aber weit und breit nicht zu sehen. Nach dem obligatorischen Fotohalt führte uns Endy zu einem für uns bestellten Motorboot, mit dem wir sehr exklusiv durch den eindrucksvollen Canyon gefahren wurden.
Vor der Rückfahrt nach Drobeta kehrten wir in ein schön gelegenes Restaurant an der Donau und genossen den Sonnenuntergang in malerischer Landschaft. Mit einer Stadtrundfahrt durch Drobeta und einer „Abschlussbesprechung“ mit rumänischem Wein endete ein ereignisreicher Tag.
Noch am Frühstückstisch rief Endy Gott und die Welt an, um unseren Weiterflug nach Bukarest und ins Donaudelta zu unterstützen und stellte eine Liste mit Ansprechpartnern für uns zusammen.
Eine solch umfassende Unterstützung war wirklich außergewöhnlich und wird uns lange in Erinnerung bleiben. Aber auch Endys rumänischer Fahrstil, der einmal mehr zeigt, dass an dem Spruch: „Das gefährlichste am Fliegen ist die Fahrt zum Flugplatz“ etwas dran ist. Auf seine Frage, ob man kaputte Radlager wirklich wechseln sollte, blieben wir die Antwort schuldig.
Endy, der den Platz seit Jahren in Eigenregie betreibt und in Alleinarbeit Fly-Ins und Wettbewerbe organisiert, ist sehr um Öffentlichkeitsarbeit bemüht. Unter anderem „mussten“ Jan und Werner kurze Interviews in deutscher und englischer Sprache fürs lokale Fernsehen geben.
Der Platz ist zwar sehr klein, für den Ausflug zum Donaudurchbruch aber sehr empfehlenswert und den rührigen Endy muss man einfach erlebt haben.

Nachdem die Formation abflugbereit war, machte Ingos Zündkerze wieder Probleme. Mit dem verfügbaren Werkzeug wurde einmal mehr gebastelt, Jan gab alles, war schließlich erfolgreich und hatte am Ende – wie schon bei der letzten Tour – eine (diesmal nur leicht) verletzte Hand.

Nach dem Abheben hatten wir uns noch ein besonderes Schmankerl vorgenommen, den Flug durch den Donaudurchbruch. Spektakuläre Ansichten und Bilder waren der Lohn für den kleinen, aber sehr eindrucksvollen Umweg.

Ein Kontakt mit FIS Bukarest ist lange Zeit nicht zustande gekommen, so haben wir den Flugplan via SMS über Endy öffnen lassen. Der sehr ruhige Flug führte durch den Luftraum von Craiova und über den Donauzufluss Olt. Auf dieser Strecke waren die Dörfer nicht mehr quadratisch angelegt, sondern lagen alle entlang einer Straße oder einer Talsohle, manchmal viele Kilometer lang.

In Bukarest landeten wir auf dem ehemaligen Hauptstadt-Flugplatz Baneasa (LRBS) und wurden dort von einer jungen, netten und ausgesprochen selbstbewussten Dame empfangen. Das Handling-Team übernahm die Sicherung der Flugzeuge vor einem heraufziehenden Gewitter. Die anschließenden Formalitäten für Bukarest waren schnell erledigt. Aber unser Weiterflug ins Donaudelta war stark gefährdet, die kleineren Plätze waren entweder inaktiv oder zu weit vom Delta entfernt und der Flugplatz Tulcea (LRTC) wegen laufender Arbeiten an der Piste bis mindestens 10. Juni gesperrt.

Ein Mitarbeiter aus dem Handling-Team zeigte großen Einsatz, telefonierte mit einigen Leuten in Tulcea, darunter auch mit einem der drei Flugplatz-Manager, und erreichte, dass wir auf einer Grasbahn neben der eigentlichen Piste landen durften. Danach bekamen wir das Telefon und den Ansprechpartner, mit dem wir Details über unsere geplante Ankunft direkt abstimmen konnten.

Um einiges beruhigter machten wir uns auf den Weg in die Stadt und wollten das per Taxi tun, weil es angeblich billiger und in der mittlerweile einsetzenden Rush-Hour auch schneller sein sollte.

Eine volle Stunde mit dem Daumen am Straßenrand und unzähligen vorbeifahrenden Taxis später brauchten wir erst einen Kaffee im Gebäude der Transsylvanien Bank (von uns in Anlehnung an Dracula scherzhaft „Blutbank“ genannt).

Auf dem Weg zu einem Taxistand kamen wir an einer Würstchenbude vorbei, aus der es zwar unglaublich qualmte, aber das Angebot doch sehr verlockend war. Kurios war auch der Grillmeister, der sich in all dem Rauch neben seinen Grill setzte, eine Zigarette ansteckte und seine „Rauch-Pause“ genoss.
Trotzdem hatte jeder für sich mit dem Einkauf geliebäugelt, aber keiner wollte schuld sein, wenn wir deswegen ein Taxi verpassen würden. Taxifahren ist immer ein kleines Abenteuer, insbesondere in Bukarest, wo es wohl keinen Fahrer gibt, der nicht mindestens zweimal pro Minute hupt. Unser Fahrer war diesmal sehr mitteilungsbedürftig, sprach ohne Punkt und Komma über Politik, Import, Export und Investitionen, auch wenn wir außer den Firmennamen kein Wort verstanden haben.

Am Abend ging es zu Fuß auf Entdeckungstour. In einem sehr schönen Park mit zahlreichen großen Springbrunnen hatte es das Jungvolk eilig, noch vor Sonnenuntergang Fotos zu schießen. Die langsameren Pensionäre wurden geschont und bis zur Rückkehr der Fotografen vorübergehend „geparkt“. Nach dem Abendessen zogen wir in die Altstadt, wo sich das Nachtleben abspielen sollte. Wir fanden nichts Besonderes und leider auch kein Eis, Rumänien schien im wahrsten Sinne des Wortes „eisfrei“ zu sein.

Am zweiten Tag in Bukarest stiegen wir – der positiven Erfahrung aus Belgrad folgend – wieder in einen Rundfahrtbus, waren diesmal aber ziemlich enttäuscht. Die meisten Sehenswürdigkeiten waren hinter vielen Bäumen nicht zu sehen, die Route führte nicht einmal in die Nähe des imposanten Parlamentspalastes.
Den Palast haben wir anschließend besichtigt – leider nur mit dreiviertel der Gruppe -, weil Ingo ohne Ausweis nicht eingelassen wurde. Bei der Führung wurde nur ein kleiner Teil des Gebäudes gezeigt, schließlich gibt es dort 5.100 Räume, darunter 30 Konzertsäle. Alles spiegelt Gigantomanie wieder, z.B. sind auf 365.000 m2 bebauter Fläche rund 1.000.000 m3 Marmor verbaut und die Fenster mit 200.000 m2 gold- und silberbestickten Vorhängen verziert (ein beispielhaft gezeigter Vorhang hatte ein Gewicht von 240 kg).

Der folgende Tag sollte Regen bringen; für uns hieß das zunächst einen weiteren Tag in der Hauptstadt verbringen und die imaginäre Parkuhr für die Flugzeuge füttern. Beim Frühstück in dem Kaufhaus, in dem wir für Rainers kranken Fuß passendes Schuhwerk und für uns alle Strohhüte gekauft haben, kam uns dann eine bessere Idee: Wir zogen den Programmpunkt „Transsylvanien“ einfach vor und machten uns per Leihwagen auf den Weg zum prächtigen Schloss Peles (erbaut von König Carol dem Ersten aus dem Hause Wittelsbach) und Schloss Bran, das den Touristen als Dracula-Schloss präsentiert wird, weil es der Beschreibung in Stokers Roman „Dracula“ ähnelt. Das historische Vorbild der Romanfigur, der walachische Fürst Vlad III. Drăculea, hat das Schloss aber wahrscheinlich nie betreten.

Schloss Peles in der Nähe von Sinaia ist wirklich sehr sehenswert und die Besichtigung unbedingt zu empfehlen. Die gesamte Anlage ist phantasievoll angelegt, beide Stockwerte überraschen immer wieder durch unterschiedliche und kreative Gestaltung. Viel Holz, viele Spiegel, Gästezimmer für gekrönte Häupter und deren Begleitung und nicht zu vergessen, zwei Schwiegermutterzimmer für die Eltern des Königspaares.

Schloss Bran, das „Dracula- Schloss“ liegt etwa 30 km von Brasov (deutsch: Kronstadt) entfernt. Es ist zwar überlaufen, aber wesentlich schlichter. Die Burg ist viel kleiner, hat viele verwinkelte Kemenaten und nur wenige Exponate. Ein Höhepunkt war das zufällige Live-Konzert eines Männerchors aus Skandinavien im engen Burghof.

In Sinaia, einer schon mondän anmutenden Kleinstadt im beliebten Skigebiet im Bucegi-Gebirge fanden wir ein wirklich gutes Hotel mit guten Betten und schnellem Internet. Jan hat den rumänischen Fahrstil schnell angenommen, wird sind aber dennoch heil angekommen.

Am zweiten Tag in Transsylvanien haben wir Brasov besucht, einen Ort, der eigentlich auf unser Liste der anzufliegenden Flugzeugplätze stand.
In einem Motorradladen haben wir alles gefunden, um Ingos Zündkerzenproblem endlich zu lösen: die richtigen Zündkerzen inklusive Kerzenstecker und das passende Werkzeug. Schwieriger war es schon, die Altstadt zu finden, obwohl der Stadtplan ein eindeutiges Zentrum zeigte. Die eigentliche und sehr schöne Altstadt liegt ein wenig außerhalb der modernen Stadt.
Was Speiseeis angeht, haben wir auch in Brasov keine gute Quelle finden können. Zum Ausgleich dafür nahmen wir unser Abendessen direkt bei „Gott“ ein. Das ist keine Blasphemie, sondern nur der Name des Gasthauses.

Nach dem Abstecher fuhren wir zurück nach Bukarest. Den Wagen konnten wir am aktuellen Hauptstadt-Flughafen Henri Coanda (LROP) abgeben. Dabei haben wir drei „Platzrunden“ gedreht, um den Rückgabebereich zu finden. Ein wenig entnervt suchten wir das Büro im Ankunftsbereich auf, wo der Agent die Rückführung (natürlich gegen ein kleines Aufgeld) übernehmen oder uns den Weg noch einmal erklären wollte. Wir haben die zweite Variante gewählt.

Für die Fahrt vom aktuellen zum ehemaligen Bukarester Flughafen bedurfte einige Mühe, den Taxifahrer zu überzeugen, dass eine Tour dorthin sinnvoll ist, obwohl der Platz seiner Meinung nach geschlossen sei. Sein ständiges Kopfschütteln begleitete uns bis zur Ankunft.

Leider war dann der Handling Agent, der uns wider Erwarten die Tür zur Landung auf dem gesperrten Flugplatz Tulcea (LRTC) geöffnet hat, nicht anwesend. Anrufe beim Ansprechpartner blieben erfolglos, so dass wir den Flug ins Donau-Delta im Vertrauen auf die vorher geführten Gespräche und ohne aktuelle Feinabstimmung machen mussten.

Zunächst war aber eine weitere, kleinere Hürde zu nehmen. Auch diesmal musste Ingo die Startvorbereitungen nach dem Warmlaufen abbrechen.
Nun kam die neugekaufte Kerze samt Stecker zum Einsatz. Ohne die untere Cowling der C42 abzubauen, gelang es Jan, die alte Kerze aus- und die neue einzubauen. Damit war dann auch das Kapitel „Zündkerze“ für diese Tour abgeschlossen.
Beim Flug nach Tulcea haben wir wieder den Fluginformationsdienst in Anspruch genommen. Die Verständigung war sehr gut und sehr kurz. Nachdem wir schon in der ersten Kontaktaufnahme erklärten, dass wir den Luftraum um Constanta nicht berühren würden, wünschte uns der Funker einen „Guten Flug und bye, bye“.

Auf der ganzen Strecke war der Himmel bedeckt, wir flogen aber weitestgehend im Trockenen. Erst nach dem Überfliegen der Donauarme und kurz vor Tulcea wurde die Scheibe ein wenig nass.

Beim Anflug auf Tulcea (LRTC) kam dann die große Überraschung. Der Tower wollte uns nicht landen lassen. Von all den Absprachen zwischen Bukarest und Tulcea, zwischen Handling Agents und Managern und auch von unseren Telefonaten mit den Verantwortlichen war auf dem Tower nichts bekannt.
Es war nicht klar, wer wohl mehr überrascht war: wir, die an die gegebenen Zusagen glaubten oder der Flugleiter, der von alledem nichts wusste.

Angesichts des einsetzenden Regens und unseren Erklärungen von der geplanten Nutzung der Grasbahn neben der Piste bekamen wir schließlich doch die Freigabe zur Landung, nicht ohne vorher mehrfach zu versichern, dass wir auf eigenes Risiko landen würden.

Die Graspiste war auf beiden Seiten mit hohem Gras eingesäumt. Um die sehr kurze Piste für alle nutzen zu können, haben die ersten beiden Flugzeuge die Bahn so schnell wie möglich verlassen und dabei mit den Propellern Gras gemäht.
Und was viel schlimmer war: die Piste war sehr nass und damit sehr weich. So weich, dass an ein selbständiges Rollen nach der Landung nicht zu denken war. Ohne die Hilfe der Pistenarbeiter, die uns aus dem schlammigen Boden gezogen haben, hätten wir den Abstellplatz nicht erreicht.

Unser Ansprechpartner hat sich seither nicht mehr gemeldet und von den drei Managern des Flugplatzes war keiner erreichbar.

Nachdem die Flugzeuge mit Hilfe des Flugplatz-Personals fest gezurrt waren, sind wir nach Tulcea gefahren.

Im Hafenbereich haben wir guten Fisch gegessen und die Angebote für die geplante Bootstour ins Delta verglichen. Bei den Verhandlungen mit den Kapitänen fühlten wir uns an einen Bazar erinnert.

Am nächsten Tag gleich nach dem Frühstück ging es an Bord. Sechs Stunden Fahrt durchs Delta lagen vor uns, nur unterbrochen durch eine Mittagspause mit Fischsuppe, Kaffee und Getränken, darunter auch wohl selbstgebrannten Schnaps.
Am Ankerplatz haben wir dann doch auf das ursprünglich geplante Baden im Delta verzichtet, nicht zuletzt, weil wir gesehen haben, wie die Reste der Fischsuppe über Bord gingen.
Der Kapitän bemühte sich ständig, uns während der Fahrt auf die schwimmenden, fliegenden oder am Ufer sitzenden Vögel aufmerksam zu machen. Zahllose Fotos von Grau- und Gelbreihern, Eisvögeln, Kormoranen und ganzen Schwärmen von Pelikanen wurden geschossen.

Die Fahrt durch das Donau-Delta, von dem wir in den sechs Stunden nur einen sehr kleinen Teil der 5.800 Quadratkilometer sehen konnten, war für uns alle ein außerordentlich beeindruckendes Erlebnis.

Abends sind wir der Empfehlung der Rezeption gefolgt und haben rumänisch gegessen. Allen hat es sehr gut geschmeckt und zudem bekamen wir Livemusik geboten, weil im Lokal ein großes Familienfest gefeiert wurde.

Am nächsten Tag war eigentlich der Weiterflug nach Sibiu (LRSB, deutsch: Hermannstadt) geplant. Doch das Wetter in den Karpaten spielte nicht so recht mit, Regenschauer und vor allem niedrige Wolken über den Karpaten verhinderten einen sicheren und unbeschwerten Flug.

Also haben wir den ersten und einzigen Ruhetag eingelegt und uns mit Schwimmen, Saunieren und Massagen erholt.

Nachdem wir die CT für den Flug nach Tulcea als „Tankflugzeug“ für Ingo missbraucht hatten (natürlich nur am Boden), mussten wir für den nächsten Flug Kanisterbetankung organisieren.
Am Flugplatz Tulcea waren fast alle Abteilungen – ob Wetterberatung, Handling, Zugangskontrollgeräte oder Tower – voll besetzt, obwohl der Platz ja gesperrt war und kein Flugbetrieb (uns einmal ausgenommen) stattfinden konnte. Lediglich die Tankstelle war nicht einsatzbereit.

Also ab in den nächsten Baumarkt, den Bestand an Kanistern um einen weiteren ergänzt und auf dem Weg zum Flugplatz an der nächsten Tankstelle befüllt.

Vor dem Abflug wurden wir auch in Tulcea zur Kasse gebeten. Diesmal waren es eigentlich moderate 39 Euro für alle drei Flugzeuge. Eigentlich – aber dann doch teuer, wenn man bedenkt, dass bis zum Abflug keinerlei Service vorhanden war.

Unsere Reiseziele waren weitestgehend abgehakt; wir haben die Donau über weite Strecken zu ihrer Mündung begleitet, große Städte wie Belgrad und Bukarest gesehen und gerade auf den kleineren Plätzen sehr nette und hilfsbereite Menschen kennengelernt.

In Tulcea begann der Rückflug mit dem Start zum nächsten Zollflugplatz, nicht ohne vor dem Abheben noch mindestens zweimal darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass wir von einem gesperrten Platz auf eigenes Risiko abheben.

Auf halbem Weg nach Sibiu (LRSB), dem ausgewählten Zollflugplatz berichtete Jan über störende, laute Geräusche und wollte den nächstgelegenen Flugplatz anfliegen. Beim Sprung über die eindrucksvolle Gebirgslandschaft der Karpaten teilte sich die Formation kurzzeitig; je nach individueller Sicht wurde der Kamm unter oder über den Wolken überquert.

Kurz nach dem Kamm lag Brasov San Petru (LRSP), der Platz, den wir nach unserer Transsylvanien-Tour mit dem Auto eigentlich nicht mehr anfliegen wollten. Der Anflug gestaltete sich spannend. Es begann damit, dass wir keine Funkverbindung herstellen konnten, obwohl – wie es sich später herausstellte – der Platz besetzt war. Der Platz war einigermaßen schwer zu finden. Ingo war als erster vor Ort, fand auch den Windsack, aber zunächst keine Piste. Erst nach ein paar Minuten war klar, die Piste war von weidenden Schafen „besetzt“. Nach tiefen Überflügen machte die Herde ein wenig Platz, so dass erst Jan und dann Rainer landen konnten. Ingo, der eine Warteschleife geflogen war, musste dann schon wieder auf die zurückkehrenden Schafe aufpassen.
Die Ursache für das störende Geräusch, ein flatterndes Gummiband, war schnell gefunden und mit Klebeband fixiert und die Formation konnte nach kurzer Unterbrechung weiter fliegen. Vor dem Start hatte der Flugleiter noch Kontakt mit dem Schäfer aufgenommen, so dass wir ohne Gefahr für Mensch und Tier abheben konnten.

In Sibiu (LRSB) angekommen, haben wir zunächst getankt und uns dann auf den Weg in die Stadt gemacht. Die prächtig erhaltene Altstadt ist wirklich sehenswert. Auch wenn es natürlich nicht mit den Prachtbauten, Baudenkmälern und Kirchen zu vergleichen ist: bei unserem letzten Ort in Rumänien fanden wir erstmals sehr gutes Eis – und opferten dafür unsere letzten Lei.

Die Gebühren am Flugplatz hielten sich mit rund 27 Euro im Rahmen. Als wir zum Start nach Debrecen (LHDC) zur Piste rollten, wollten wir unseren Ohren kaum trauen: Auf der Towerfrequenz sprach uns jemand in bestem Deutsch an und wollte von uns wissen, woher wir kamen und wohin wir wollten. Es war der Kapitän einer kurz vorher gelandeten deutschen Linienmaschine, der uns von seiner Parkposition aus beobachtet hatte und unsere Tour für toll und „cool“ befand.

In Debrecen (LHDC) erwartete uns ein unglaublich langwieriges Handling beim Tanken. Rund zwei Stunden ging es zwischen den Tankwarten und dem Tower hin und her. Schier endlose Anrufe, Fahrten und Gespräche, die sich vor allem um die Preisgestaltung drehten. Angeblich war der Benzinpreis davon abhängig, ob es sich um einen Privat- oder Geschäftsflug handelt, ob das nächste Ziel innerhalb oder außerhalb Ungarns liegt und vieles mehr. Dazu kamen Computerprobleme, die das Tanken verhinderten.

In der Stadt fanden wir ein gutes Hotel mitten im Zentrum und eine Empfehlung für ein gutes Restaurant am Stadtrand. Leider war kein Taxifahrer zu finden, der Barzahlung mit Euro oder Kartenzahlung akzeptierte. So haben wir direkt am Marktplatz in einem Restaurant mit „Half-Self-Service“ gut gegessen. Unter „Half-Self-Service“ verstanden die Betreiber, dass der Kunde zum Bestellen kommt, Getränke selbst mitnimmt, das Essen serviert wird und ein Kellner zur Abrechnung an den Tisch kommt. Dieses Modell, auch auf Vertrauen aufgebaut, scheint zu funktionieren.

Am nächsten Tag gab es ein böses Erwachen beim Bezahlen der Handlingsgebühren. Was sonst in aller Ruhe im Flughafengebäude gemacht wird, wurde hier wenige Minuten vor dem Start mit mobilen Kartengeräten direkt am Flieger erledigt.

Wir waren zunächst noch guten Mutes, schließlich hatte man uns vor ein paar Tagen in Pec-Pogany beim Ausflug nach Serbien gesagt, dass die Rückkehr nach Ungarn deutlich billiger als die dort bezahlten 50 Euro werden wird, weil wir ja dann aus Rumänien kommen würden. Umso überraschter und verärgerter waren wir, dass uns nun in Debrecen mehr als 100 Euro pro Flugzeug abverlangt wurden.

Mit einiger Wut im Bauch überquerten wir Ungarn in einem Zug, flogen dann in der Slowakei der Donau entlang bis kurz vor Bratislava und landeten schließlich auf dem österreichischen Flugplatz Spitzerberg (LOAS), den wir schon bei der Tour vor zwei Jahren genutzt haben.

Tanken, eine Kleinigkeit essen, ein wenig Ausruhen und dann gleich weiter nach Hosin (LHKS), nahe Ceske Budejovice (Budweis) gelegen. Der schöne Platz mit überwiegend Segelflugbetrieb war gleichzeitig Endpunkt für die gemeinsame Tour.
Nach einem Tässchen Kaffee flogen Jan und Ingo, die „Magdeburg-Fraktion“, weiter Richtung Heimat, während Rainer und Werner noch einen Abend und eine Nacht in Budweis verbrachten.

Budweis hat ein sehr schönes Stadtzentrum mit vielen sehenswerten Bauten und einen großen, zentralen Platz, auf dem sich Touristen aus aller Herren Länder trafen. Herausragend war auch das Essen in einer großen Brauereigaststätte. Typisch tschechische Kost (empfohlen wurde Svíčková, deutsch: Rinderbraten) mit Musikbegleitung und natürlich das weltberühmte Budweiser Bier rundeten diesen Abend ab.

Am 9. Juni ging es dann auch für Rainer und Werner nach Hause. Bei zunächst mäßigen Bedingungen führte die Route über den Bayerischen Wald, einem Tankstopp in Herzogenaurach (EDQH) nach Weilerswist und Hamm.

Am Ende sind wir in knapp 28 Stunden rund 4100 km Luftlinie geflogen und haben wieder einmal viele tolle Stunden in der Luft und am Boden erlebt.

Ganz besonders beeindruckt waren wir – wie jedes Mal – von der großen Gastfreundschaft, die uns an allen kleinen, von Fliegerclubs betriebenen Plätzen entgegen gebracht wurde.

plaetze